Zum nächsten Blogartikel ⇒
Immer noch hole ich im Blog-Bereich dieser Webseite laufend Beiträge der letzten Jahre nach.
Dieser Artikel handelt vorrangig von einem Roadtrip nach Schweden – doch davor muss ich euch noch ein Foto von mir in Rom während eines Kurzbesuchs Anfang März 2024 zeigen.


Die Location des alten Fotos war mir schon länger bekannt. Eigentlich dachte ich nicht daran, als wir durch Rom spazierten. Doch dann kamen wir plötzlich diese Straße und sofort erkannte ich die Gebäude im Hintergrund und musste natürlich ein Foto machen.
Zu sehen ist ein VW T1 Bus der frühen Fünfziger Jahre mit ungewöhnlicher Dachverglasung über der Fahrerkabine. Dieser Bus wurde vermutlich von der österreichischen Firma Kohlruss Carosserie umgebaut. Am Bus ist ein altes Kennzeichen aus Tirol zu sehen. Der genaue Heimatort des Busses ist mir nicht bekannt – aber man stelle sich mal vor, wie lange der Bulli damals unterwegs gewesen sein muss, denn selbst heute braucht man mit einem modernen Auto etwa 8 Stunden vom Brennerpass an der Grenze Österreich/Italien bis zum „Piazza Venezia“ in Rom, wo das Foto aufgenommen wurde. Das Gebäude im Hintergrund ist das Nationaldenkmal „Altare della Patria“.
Zwei Wahnsinnige auf VW-Mission in Schweden
Im Oktober 2024 trug sich folgendes Abenteuer zu…
Ich begleitete Bernhard nach Schweden. Dort hatte er sich zu Beginn der Corona-Zeit ein VW Bus Projekt gekauft. Genauer gesagt ein Wrack, das in einem Wald gefunden wurde. Dieser Waldfund ist ein „Barndoor“ T1 Bus, Baujahr 1954 – und diente nach der Ausmusterung im Wald nur mehr als Wartehäuschen für Kinder, die im Winter mit dem Schlitten über Forststraßen in den nächsten Ort gefahren wurden.
Viel vorhanden ist nicht mehr außer der nackten Karosserie und der Fahrgestellnummer – aber dennoch werden solche Autos heute zu genüge wieder aufgebaut und sie sind es für uns auch wert, erhalten zu bleiben.
Und so ging es los, nachdem das Zugfahrzeug wenige Tage zuvor noch das Pickerl (TÜV) erhalten hatte.
Abfahrt: Mittwoch, 2.10. – ca. 22:00 Uhr | irgendwo in der Ernstbrunner Gegend, Niederösterreich …
Nachdem wir uns am frühen Abend nochmal hingelegt hatten, setzten wir uns um 22 Uhr ins Auto und fuhren los. Voller Motivation starteten wir die Reise, bis gleich im Nachbarort erst mal festgestellt wurde, dass die Heizung aus irgendeinem Grund nicht mehr funktionierte. Egal, weiter ging es! Wir nutzten die Nacht mit weniger Verkehr und fuhren über Tschechien nach Deutschland. Sobald es begann wieder hell zu werden, machten wir die erste Schlafpause. Eine von vielen im Laufe der nächsten paar Tage.



Donnerstag, 3.10. – 13:30 Uhr | Ankunft am Hafen in Rostock
Um ca. 14 Uhr legte die Fähre im Norden Deutschlands am Hafen Rostock ab und fuhr in 6 Stunden 150 Kilometer über das Meer nach Trelleborg, im Süden Schwedens.
Etwa um 20 Uhr legte die Fähre dann am Hafen in Trelleborg an. Wir entschieden uns noch 20 km weiter nach Vellinge zu fahren, wo ein großflächiger Stellplatz war, der sich auch für Gespanne gut anbietet.
Gegen 20:30 Uhr kamen wir am Campingplatz „Stanhems Ställplats i Skåne“ an, gingen duschen und holten dann endlich eine gute Portion Schlaf nach. In der Nacht hatte es etwa 0 °C, manchmal 2-3 Grad darüber oder darunter. In diversen Gesprächen im Laufe dieser Reise erhielten wir diverse verwunderte Blicke, wie wir das ohne Heizung hinten im Kastenwagen aushalten. Aber ehrlich gesagt, mit 1-2 Schichten und einem guten Schlafsack ging das völlig super. Das „mühsamste“ daran war nur, frisch geduscht und noch nicht 100%ig trocken am Campingplatz bei der Kälte in der Nacht zum Bus zu laufen und sich gleich warm einzupacken. Aber halb so wild.
Im zweiten Bild unterhalb übrigens gut zu sehen – und äußerst praktisch beim Campen: Der T5 ist ein Doppeltürer!



Freitag, 4.10. – ca. 7:45 Uhr | Start Richtung Norden
Von Vellinge aus ging es in der Früh los und wir erwischten echt ein Traumwetter. Ich war sofort verliebt in die wunderschöne Landschaft Schwedens, auch wenn ich diese nur aus dem Auto heraus bewundern konnte, denn viel Zeit für Anderes hatten wir nicht. Uns wurde erzählt, dass es oft genug in der ersten Oktober-Woche schon Schnee gab, wir erwischten aber einen Goldenen Herbst, mit Sonnenschein, kaum einer Wolke am Himmel und Bäumen in sämtlichen gelb bis rot Tönen. Noch dazu gab es quasi keinen Verkehr. Einfach nur Herrlich!





Diese Fotos sind etwa um 19:30 Uhr entstanden. Da waren wir bereits in Gävle (etwa 2 Autostunden nördlich von Stockholm) angekommen, wo wir von Fredrik den „Waldbus“ abholten und auf den Anhänger luden. Danach zeigte er uns noch seine Scheune mit zwei frühen Brezelkäfern, 1950er und 1951er Baujahre – wenn ich mich richtig erinnere. Diese hatten auf unserem Anhänger aber leider keinen Platz mehr. Vielleicht ja beim nächsten Mal?!
Danach zeigte Fredrik uns noch sein Barndoor-Projekt in seiner Gemeinschaftshalle. Sehr beeindruckend und ich hoffe wir sehen diesen T1 auch bei einem zukünftigen Treffen mal irgendwo in Europa.
Da dann mittlerweile schon Mitternacht vorbei war, legten wir uns im T5 vor der Halle schlafen.
Samstag, 5.10. – ca. 8:00 Uhr | Abfahrt aus Gävle
Schon vor unserer Reise hatten wir uns mit weiteren VW-Kontakten in Schweden noch ein Treffen ausgemacht. So fuhren wir über Falun – die Gegend mit den typischen, roten Häusern – weiter nach Borlänge.





Um 11 Uhr in Borlänge angekommen, empfingen uns bereits Demian und Göran und gaben uns eine Führung durch ein beeindruckendes Gebäude.
Hier, mitten in Schweden, haben sich 25 Gleichgesinnte gefunden – allesamt interessiert an luftgekühlten Volkswagen Fahrzeugen – die als Kollektiv ein ehemaliges Fabriksgebäude mieten. Jede Person hat dabei ein eigenes, offenes Abteil in der Halle, in welches ca. 3-4 Autos passen. Wir waren mehr als nur beeindruckt von den gesehenen Fahrzeugen. Unter anderem durfte ich hier auch den ältesten bekannten VW T2 besichtigen. Bilder werde ich hier aus Rücksicht auf die Besitzer keine posten.




Da es im Erdgeschoss irgendwann Platzprobleme gab, blickten die Mieter auf eine Doppelflügeltüre an einer Außenwand im 1. Stockwerk und fragten den Besitzer, ob sie diese Etage auch nutzen dürften – vorausgesetzt die Statik ermöglicht es.
Gesagt getan, und schon wurde außen eine hebebühnen-ähnliche Plattform organisiert und außen unterhalb dieser Türe platziert. Wir hatten zwar schon davon gehört, wollten die aber mit eigenen Augen sehen und so haben wir im 1. Stock die Türe geöffnet und hinuntergeblickt. Siehe Fotos oberhalb.
Jeden Sommer werden die fahrbereiten Autos dann wieder aus dem 1. Stock herunter gehoben. Genial!
In dieser Schrauber-Gemeinschaft wird gemeinsam an alten VWs gewerkelt – man unterstützt sich gegenseitig bei der Restauration und macht gemeinsame Ausfahrten. Ein großartiges Konzept. Vor allem waren wir beeindruckt, dass so etwas im tiefsten Schweden zustande kommt – und wir z.B. in der Millionen-Stadt Wien nicht mal eine VW-Szene für alte Käfer und Busse haben. Vergleichbares kannten wir bisher nur vom Oldtimerparadies Boimstorf, etwa 25 Autominuten südlich von Wolfsburg, wo einige VW-Oldtimerfreunde gemeinsam mit ihren Autos in einem hergerichteten Vierkanthof wohnen.
Im Anschluss zeigte uns Demian noch seine eigene Scheune, wo er weitere Autos untergestellt hat. Jede Menge sogenannter „Skogsvrak“ – sprich (Skogen = Wald; Vraks = Wrack) – denn oftmals wurden Autos in Schweden damals im Wald entsorgt, da es kaum Schrottplätze gab. Von daher hatte er auch sehr interessante Wanddeko im Stadl hängen.





Gegen 13 Uhr bedankten wir uns bei Demian und Göran und machten uns dann wieder auf den Heimweg Richtung Süden. Etwa 10 Stunden und um die 680 km später, kamen wir dann wieder am Stellplatz „Stanhems“ in Vellinge – im Süden Schwedens an.
Hier noch ein paar schnelle Fotos – aus dem Auto heraus – vom wunderschönen Schweden.















Sonntag, 6.10. – ca. 10:00 Uhr | Abfahrt aus Vellinge
Reichlich ausgeschlafen und nach einer Portion Eierspeis zum Frühstück, kam der Campingplatzbesitzer Matthias auf uns zu und erzählte uns, dass er auch mal einen Brezelkäfer hatte. Jetzt habe er sich mit Freunden aber einem anderen Hobby zugewidmet: dem Traktorpulling. Er zeigte uns dieses 2.500 PS starke Ungetüm in der Halle nebenan. Gemeinsam mit Freunden wird daran geschraubt, dann wird der Renntraktor verladen und in einem eigens umgebauten – vollausgestatteten LKW, der einem kleinen Hotel gleicht – besuchen er und seine Freunde dann Traktorpulling-Events in ganz Europa. Auch in Kärnten sind sie schon gewesen. Nach etwa 10 Sekunden Fahrzeit ist der Motor dann hinüber und muss wieder neu aufgebaut werden. Wahnsinn! Aber vermutlich dachte er das gleiche – als er das Wrack auf unserem Anhänger gesehen hat…



Nach dieser weiteren, äußerst beeindruckenden Führung ging es ganz entspannt wieder an die letzte Mini-Etappe nach Trelleborg.






Um 11:30 fuhren wir auf die Fähre auf und dann ging es wieder retour nach Rostock. Natürlich war die Ladung am Anhänger das Gesprächsthema schlechthin sowohl im Hafen als auch auf der Fähre. Die Zeit wurde genutzt um nochmal etwas zu schlafen. Diesmal war die See etwas rauer und so kamen wir um 19 Uhr wieder in Rostock im Norden Deutschlands an und fuhren gleich weiter Richtung heimwärts.
Montag, 7.10. – ca. 10:00 Uhr | Ankunft wieder retour in Niederösterreich
Eine letzte, anstrengende in Summe 875 km umfassende Nacht-Etappe später waren wir endlich wieder retour am Ausgangspunkt unserer Reise. Jetzt hieß es noch den Bus abzuladen, was sich noch als finale Herausforderung erwies. Doch auch das hat geklappt. Das Foto unterhalb zeigt nochmal ein paar Details vom Dach des Waldbusses – mit genialen Farben, die mich stark an die unglaublichen Sonnenuntergänge in Schweden erinnern. Als dann alles erledigt war, ging es wieder ab nach Hause.

Generell war das ein sehr kräftezehrender Trip, mit vielen zurückgelegten Kilometern – nur anhand der oben beschriebenen Strecken konnte ich 3.676 Kilometer nachvollziehen (2 x 150 km davon auf der Fähre). Jedoch sind bei dieser Summe noch nicht die paar Zusatzwege mit eingerechnet, die wir teilweise noch machten um Leute und ihre Hallen ein wenig außerhalb der Orte zu besuchen.
Gedauert hat die ganze Aktion genau 108 Stunden, also exakt 4,5 Tage. Kaffee und Zucker machen’s möglich! 😉
Und das verrückteste daran: ich würde es wieder machen! Obwohl ich das meiste von Schweden nur im Vorbeifahren gesehen habe, bin ich schwer begeistert.
Und übrigens: Bereits am nächsten Tag sahen wir, dass es ein paar Stunden weiter nördlich von dem Ort, wo wir in Schweden waren, bereits geschneit hat! Glück gehabt! 🙂
Vielen Dank an Bernhard, Fredrik, Demian & Göran!
Zum nächsten Blogartikel ⇒