Kohlruss, Schreiner & Co

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   Diesen Blog-Eintrag möchte ich einem Thema widmen, welches mich schon seit einigen Jahren fasziniert:
Die Karosseriebauer der 1950er und 1960er Jahre, welche Volkswagen T1 Busse in Form von fabriksfertigen Kastenwägen  (Typ 2, Modell 21) mit zusätzlichen Fenstern ausstatteten und andere Modifikationen vornahmen.

Teilweise wurden diese Busse in Panorama-Busse, ähnlich den beliebten „Samba“ Deluxe Ausführungen (Typ 2, Modell 24) , umgewandelt und waren beliebte Reisebusse bei Tourismus-Betrieben wie etwa Hotels oder Busreise-Agenturen im Alpenraum.

Generell ist speziell von den Wiener Karosseriebauern heute nur noch sehr, sehr wenig bekannt. Der Karosseriebauer von dem man heute noch am meisten weiß, ist Hans Kohlruss.

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Carosserie- und Fahrzeugbau Hans Kohlruss

Hans Kohlruss hatte zwei bekannte Werkstätten in Wien und eine in Salzburg.
Obere Donaustrasse 29-31, 1020 Wien
Brigittaplatz 19, 1200 Wien
?, Salzburg

Nach dem 2. Weltkrieg nutzte er Teile von verschiedenen Fahrzeugen um daraus neue zu bauen. Die Produktion erfolgte in einem kleinen Betrieb und es gab selten Fahrzeuge die sich glichen. Heute existieren noch wenige bekannte „Kohlruss Käfer“ – als Basis dafür diente das Chassis eines KDF-Wagens oder Kübelwagens (VW Typ 82) auf welches die Karosserie eines Steyr 50 bzw. 55 „Babies“ gesetzt wurde.

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Aus Volkswagen Transportern direkt aus dem Werk in Wolfsburg – teilweise reine Kastenwägen, teilweise bereits mit Sonnendach – fertigte er eigene Sonderbusse. Das bekannteste Markenzeichen dieser Busse sind die beiden Fenster direkt über der Fahrerkabine, ebenso wie die langen Schiebefenster an den Seiten. Diese waren vergleichbar mit den späteren Fenstern der T2-Busse (1967-1979) und ermöglichten eine bessere Luftzufuhr sowie einen besseren Rundumblick.  Wieviele Kohlruss Busse produziert wurden, ist unklar – irgendwo habe ich mal die Zahl 300 aufgeschnappt, bestätigen kann ich das allerdings nicht.

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Im Jahr 2012 wurde in einem Wald bei Villach in Kärnten ein „überlebendes“ Exemplar gefunden und geborgen – es ist derzeit der einzig bekannte noch existierende Kohlruss Bus.  Dabei handelt es sich um einen Volkswagen Transporter mit Baujahr 1954. Der Zustand des Buses war äußerst schlecht – nicht viele hätten die Busleiche noch geborgen oder das Potential erkannt. Schließlich machten Liebhaber das Wrack wieder rollfähig und zogen es aus dem Wald. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle die an der Bergung beteiligt waren!
2014 wurde der Bus dann nach England verkauft und Stück für Stück in beeindruckender Arbeit wieder zusammengebaut. Speziell für Interessenten der Restauration wurde damals eine eigene Kohlruss Facebook-Gruppe gegründet und mit regelmäßigen Updates befüllt. Der Besitzer legte wert darauf, bei der Restauration so viel von der originalen Substanz wie nur möglich zu retten und erweiterte deshalb alte Bleche mit neuen Metallteilen. Bis Juli 2016 war der Kohlruss Bus dann fertig und fuhr auf eigener Achse über einen kurzen Zwischenstopp bei einem Treffen in Le Mans, Frankreich, nach Österreich zum Bullitreffen in Kals am Großglockner. Ich konnte damals nur am Freitag dabei sein, und erwischte den Kohlruss gerade noch so ,als ich eigentlich schon am Heimfahren war. Natürlich musste ich wenden und mir diesen einzigartigen Bus noch näher ansehen.

Anbei ein paar der Fotos die ich damals gemacht habe:

Dieses Thema im TheSamba-Forum habe ich Hans Kohlruss gewidmet. Dort finden sich gesammelte alte Fotos von seinen Barndoor-Bussen und diverse andere Informationen über ihn und seinen Betrieb.

Mit dem Besitzer des Kohlruss Buses stehe ich in regelmäßigem Kontakt – und sowohl er als auch ich freuen uns über jede Art von Information betreffend des Karosseriebetriebes um Hans Kohlruss. –> Kontakt

karl-schreiner-soehne-karosserie-wien-vw-t1-barndoor-bus-umbau

Karosseriewerk Karl Schreiner & Söhne

Ein weiterer Wiener Karosseriebauer war Karl Schreiner. Sein Betrieb existiere von 1940 an, angeblich sogar bis in die frühen 2000er Jahre.

Seine Werkstätten waren im 5. Bezirk in Wien ansässig.
Fendigasse 27, 1050 Wien
Embelgasse 28-30, 1050 Wien

Heute ist noch bekannt, dass Karl Schreiner neben diversen Fahrzeugen etwa auch die Personenwagons der Zillertaler Bahn umbaute. Weiters ist ein Omnibus, umgebaut auf einen KTM Transport-Bus für Motorräder, auch ihm zuzuschreiben, wie ein Schriftzug am Heck beweist.

Ähnlich wie Kohlruss baute auch er frühe Volkswagen T1 Busse um – ebenfalls mit zwei markanten Fenstern über dem Armaturenbrett oberhalb der Fahrerkabine. Doch seine Busse unterschieden sich in einigen Details von den Kohlruss-Bussen. Etwa durch längere „Samba“-Fenster, welche sich über die gesamte Länge des Daches zogen. Außerdem verfügten seine Busse über 3, etwas kürzer ausfallende Seitenfenster im Vergleich zu den zwei langen Schiebefenstern von Kohlruss. Ein weiteres markantes Detail ist auch der Umbau der eigentlichen Flügeltüren im Ladebereich zu einer großen Flügeltüre, welche mit einem Kurbelfenster ausgestattet war.

Bewiesen ist auch, dass Karl Schreiner um 1952 zwei Volkswagen T1 Busse für die Fahrschule Horrak in Wien fertigte. Auf den ersten Blick könnte man fast meinen, dass es sich hierbei um einen 15 Fenster Barndoor-Bus handelt, bis einige Details den Bus als das Werk eines Karosserie-Schneiders entlarven. Es existieren Aufnahmen, die einen solchen Bus in der Werkstatt von Karl Schreiner zeigen.

Näheres zu Karl Schreiner habe ich in diesem Forumsbeitrag zusammengesammelt.

Vergleich Kohlruss vs. Schreiner

Anbei eine Grafik, die ich vor einigen Jahren von alten Aufnahmen – mit Kohlruss und Schreiner VW Bussen, welche aus ähnlichen Winkeln abgelichtet wurden –  abgepaust habe.

Weitere Wiener Karosseriebauer, die auch Umbauten an VW Bussen vornahmen, waren Kastenhofer und Weingartshofer. Von Ihnen habe ich derzeit aber noch kaum Informationen.

Generell tauchen heutzutage noch immer wieder alte Bilder von umgebauten VW Barndoor Bussen auf, die sich keinem Karosseriebauer zuordnen lassen können – beziehungsweise keinem Karosseriebetrieb 100%ig sicher zugeordnet werden können. Fotos solcher Busse, habe ich hier gesammelt.

Über weitere Informationen zu diesem Thema, bin ich immer sehr dankbar. Bitte zögern Sie nicht, mich diesbezüglich zu kontaktieren! 

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